Am Wochenende habe ich mich in den Weihnachtswahnsinn gestürzt. Ich mag das ungefähr so sehr wie einen Zahnarztbesuch. Augen zu und durch.
Die Reise ins Weihnachtswunderland startet in einem Lebensmittelgroßmarkt.
Menschen mit Wagen voller Nahrungsmittel, die ein afrikanisches Dorf eine Woche lang satt machen würden, hetzen griesgrämig dem besten Braten, dem besten Wein, dem besten Christstollen hinterher.
Tiefkühlregalreihe an Tiefkühlregalreihe prall gefüllt mit halben, geviertelten oder ganzen Tieren, die in Osteuropa großgezogen wurden um Ihnen Ihre Milch wegzunehmen und ihr Fleisch verarbeiten zu lassen.
Eltern die die Weihnachtsgeschenke zusammen mit ihren Kindern kaufen und ihnen an der Kasse eintrichtern dass „das Barbiehaus jetzt aber unter Mamas Bett verstaut wird bis das Christkind kommt!“.
Verbrauchte Luft, Weihnachtsmusikgedudel, Lichterketten die epileptisch blinken. Ich spüre Magensäure hochsteigen wie nach zu vielen Plätzchen vom bunten Teller und lasse meinen Wagen in einer Regalreihe stehen.
Im Auto inhaliere ich den Rauch einer Gauloises und es tut gut. Komischweise rauche ich nie soviel wie in der Vorweihnachtszeit. Im Radio läuft „Driving home for christmas“ in Endlosschleife, ich höre mich irritierenderweise mitsummen und drifte in Gedanken ab.
Ich sehe mich mit meinem Holzschlitten den Hügel hinter unserer Grundschule heruntersausen, die Kufen glänzen, mein Vater hat sie eben erst in der Garage gewachst. Mein pinker Schneeanzug ist mollig warm, auch beim Schneeengel machen oder beim eingeseift werden. Mama wartet zu hause mit Zimtsternen und Kinderpunsch.
Das Auto hinter mir hupt, die Ampel ist grün geworden.
Das Einkaufzentrum wartet auf mich. Noch mehr Menschen auf der Suche. Was Ihnen bei Lebensmitteln noch leicht fällt ist beim Geschenkekauf doppelt schwer. Die Nervosität setzt bei der Parkplatzsuche ein und fällt auch mit dem hastig heruntergestürzten Glühwein beim provisorischen Einkaufszentrum-Weihnachtsmarkt nicht ab. Für die Kinder kauft man was großes, buntes, teures. Für die Erwachsenen was wärmendes, intellektuelles, betäubendes. Keine Gedanken machen. Aufatmen wenn man wieder im Auto sitzt. Man hat es hinter sich gebracht. That´s it.
Zu Hause denke ich darüber nach wie paradox ich eigentlich handele.
Ich hasse Konsumterror und mache trotzdem mit.
Warum? Weil ich denen, die ich mag, die das ganze Jahr ein Teil von meinem Leben sind, gerne etwas schenke. Für mich ist das größte Geschenk die Freude beim Beschenkten.
Mein Anspruch an Weihnachten: Anderen zeigen dass man für sie da ist. Das man sie schätzt. Und vor allem darüber nachzudenken wie man die Welt ein bisschen besser machen könnte, für sich und für die, die man mag.
Weihnachten ist, was du draus machst.









